Credo
– Dirk Tilsner –
– Dirk Tilsner –
– Ich stelle nackt mich in den Schlaf,
ein Regenduschenglück!
Was tags mich auch im Herzen traf,
schäumt in die Zeit zurück.
Erlösung durch das Ablaufsieb
zur Duschdasträumerei,
die Nacht als kluger Tagedieb
seift uns vom Dasein frei.
Ich brause Pflicht und Muße fort,
kanalwärts gluckst die Welt:
Am wohlverfliesten Fugenort
auf mich allein gestellt.
– sufnus –
– Beim Genuss des Biergebräus
konnte er sich nicht enthalten
und so träumte Vater Zeus
bald von seltsamsten Gestalten.
Vom Zyklopen, der sich preist:
»Räumlich sehe ich recht wenig,
aber, wie es so schön heißt,
unter Blinden bin ich König!«
Auch vom Vogel, der verbrennt
und wie Phoenix aus der Asche
neu ersteigt, was Jesus kennt:
Wiederauferstehungsmasche.
Und von Pegasos, dem Ross,
das geflügelt wie die Worte
mancher Dichter gleich im Tross
aufwärts strebt zur Himmelspforte.
Vater Zeus schlief tief, obgleich
Ungeheuer Feuer sprühten
und aus seinem Schlummerreich
ihn zu wecken sich bemythen.
– Stefan Pölt –
(Fatras)
– FrankReich –
– Kind, was hast du nur für Nöte,
du monierst gern mein Geschrei,
willst, dass ich voll Zauber flöte?
Dabei bin ich, Papagei,
nicht die Nachtigall am Weiher!
Muss ich mich denn dafür schäm,
dass ich gern mit Mama geier –
haben alle Nachwuchs-Eier
mit den Eltern ein Problem?
Papagena, Tochter, Täubchen,
gestern, auf der Palme, saß
neben dir ein Typ mit Häubchen,
der dir aus der Kralle fraß.
Schnabuliert habt ihr, mit Wonne
und ich hörte all den Stuss,
den er dir versprach. Oh, Sonne,
stehst du jetzt auf Kakadus?
Diesem Kerl fehlt manches Schräubchen,
dazu dieser Siegerton.
Mieser Überflieger, Täubchen –
Der wird nicht mein Schwiegersohn!
– niemand –
– Im Urlaub fuhr Familie P.
nach Norden mit dem Pkw
und lebte dann in Dänemark
am See im Holzhaus recht autark.
Sie aßen täglich gut und frisch
aus eignem Fang gegrillten Fisch
und außer Störungen durch Mücken
schien die Erholung gut zu glücken.
Am Urlaubsende nach drei Wochen
sind sie zur Heimfahrt aufgebrochen
und endlich nach sehr vielen Staus
erreichen sie das eigne Haus.
Es schmerzt nach langer Fahrt der Nacken,
doch gilt es, Koffer auszupacken
und jede Menge Tragetaschen
verschmutzter Wäsche wegzuwaschen.
«Oh Gott!», ein spitzer Schrei der Mutter.
Die Blumen sind jetzt Trockenfutter,
dafür ist das Parkett gegossen –
ein Fenster war nicht gut verschlossen.
Beim Abarbeiten ihrer Post
bekommen sie fast Schüttelfrost.
Nur Rechnungen sind in den Briefen
und die Erhöhung von Tarifen.
Sie fühlen sich sofort gestresst,
ein Mäusenest besorgt den Rest.
Im Nacken immer noch ganz steif
sind sie schon wieder urlaubsreif.
– Stefan Pölt –
– Die Liebe ist beileibe nicht
bloß eine reine Leibespflicht,
jedoch mit vollem Bauch
geht die Liebe auch.
Und willst du mit mir Liebe wagen,
dann führt die Liebe durch den Magen,
dann lieb ich dich mit Haar und Haut,
denn gut geliebt, ist halb verdaut!
Wen immer ich zum Liebsten wähl,
den liebe ich: from nose to tail.
Es zielt darum mein Liebesplan
von Shangri-La nach Ämirstan,
und zur Erhöhung deiner Reize
lieb ich dich ohne Würz' und Beize
und nehme bei der Liebeskür
zu guter Letzt dich ganz zu mir.
Dann sind wir zwei ein Unikum:
du innendrin, ich drumherum.
– sufnus –