Dezember 31, 2025







Silvesterliedchen



 – Ich wünsch mir nix fürs neue Jahr,

Ich sing mir nur ein Liedchen,

Und wird es, wie das alte war,

Machts kaum ein Unterschiedchen.


Ich wünsch den andern Leuten Glück

Beim Jagen und beim Sammeln,

Ich zieh mich in mich selbst zurück

Und höre Wiener Schrammeln.


Vor meinem Fenster dreht die Welt

Sich unter tausend Flocken,

Ich hab mich mal dazugestellt

In dicken Wollesocken.


Ich schlüpf gleich wieder unters Dach

Und zähl Tapetenschäfchen,

Und mitten im Silvesterkrach

Mach ich ein Neujahrsschläfchen.


Ihr andern Leute, tobt euch aus,

Lasst die Raketen schweifen,

Ich pack in meinen Träumerein

Die Welt in rosa Watte ein

Mit goldnen Glitzerstreifen.



 – tordilo –



Dezember 30, 2025



Jahres(w)ende



 – Was war das für ein tolles Jahr

(in dubio pro reo)!

Es hieß bereits im Januar

»Habemus papam Leo!«

 

Ach nee, das war ja erst im Mai,

auch Merz kam mit Verspätung,

man wählte ihn in Runde zwei

zum Chef der Volksvertretung.

 

Ansonsten ging es steil bergauf

mit Preisen, Pleiten, Mieten,

die sich bis jetzt im Zeitverlauf

einander überbieten.

 

Auch ›Stromberg‹ kam vom Abstellgleis

zurück ins Deutsche Kino

und Trump erhielt den Friedenspreis

von Kumpel Infantino.

 

Im Kühlschrank steht der Schampus kalt,

bis nicht nur Korken fliegen,

zum Schluss wird noch mal durchgeknallt,

als müsst man was besiegen.

 

Ich hoffe, auch das neue Jahr

wird annähernd so wunderbar.



 – Stefan Pölt – 





Kästners Stilblüte



 – Mein Vater hat gerne Gedichte gelesen

und ab und zu gab er bei Feiern und Festen

auch Verse von Rilke und Kästner zum Besten.

Wir liebten vor allem sein heiteres Wesen.


So las er: «VOM FENSTER AUS KONNTE MAN SCHIFFEN …»,
hielt inne und ließ das Gedichtbändchen sinken.

Mein Bruderherz grinste und hat mich gekniffen,

als Papa ganz trocken hinzufügte: «… WINKEN.»



– Didi.Costaire –


 

Dezember 29, 2025



Fragewolken 



 – Das Jahr klingt aus und wird Vergangenheit
und war doch eben noch zum Greifen nah,
man hat Probleme und verläuft sich in der Zeit
und steht am Ende ganz verwundert da

und fragt sich heimlich, während Frösche krachen
und lila Blitze um die Dächer schweifen:
Werd' ich im neuen Jahr die alten Fehler machen,
werd' ich vielleicht zu neuer Größe reifen?

Werd' ich in neue Höhen klettern dürfen,
wird mich ein Teufel in die Tiefe schmeißen,
werd' ich in Höllenschluchten schürfen,
wird mir ein Glücksschwein in den Hintern beißen?

Und so, indem man Fragewolken schiebt,
schiebt man Probleme, die's noch gar nicht gibt,
ins neue Jahr und vor sich her und durch die Zeit,
hinsteuernd Richtung Ewigkeit.



– Peter Welk –





Im Traum 



– Nur der Mond berührt 

zärtlich den schlafenden Mund. 

Das Herz ist verreist. 



– AlmaMarie Schneider –



Dezember 28, 2025


 

Tauwetter



 – Heimlich, kurz vor Mitternacht,

lud der Himmel weiße Fracht

auf frisierte Buchsbaumhecken,

küsste triste Straßenecken.


Heute lutscht man Weihnachtskrapfen,

muss durch braune Sülze stapfen,

und aus leeren Krähennestern

tröpfelt sacht der Schnee von gestern ...



 – Cornelius –



Dezember 27, 2025

 


Alles noch da?



– Ich beiß vor Wut noch in den Tisch,

es ist zum Mäusemelken,

mein Inneres scheint blütenfrisch –

doch außen blüht mein Welken.


Das Herz schlägt unverbraucht und jung,

es fühlt sich ohnegleichen

bereit zum Hoch- und Seitensprung.

Mein Gang nur noch zum Schleichen.


Mein Können hätte diese Welt

gern hier und da beflügelt,

doch wird, in Körpers Haft gestellt,

sein Genius stark gezügelt.


Klar wie Kristall agiert mein Hirn.

Grad wirkt es wie besessen,

als suche es in meiner Stirn.

Wonach? Ich hab‘s vergessen!



– niemand –



Dezember 26, 2025



Treffpunkt Alexandrowka


(für Heike)


– Erinnerst du dich? Weißt du noch? Na klar!

Die Zeiten, die wir unbeschwert verbrachten. 

Wenn's manchmal nichts zu lachen gab, wir lachten! 

Weil dann die graue Werkstatt bunter war. 


Wir kamen ziemlich weit, und offenbar 

Auf Wegen, die wir nicht im Traum bedachten. 

Das Altern kann man dabei so betrachten: 

Wo sich heut' Wolken spiegeln, störte Haar. 


Verdammt lang her! Ein Fetzen Jugend reißt 

Sich täglich los von uns. Nichts wird sie halten. 

Quatsch! Wer zu früh flennt, den bestraft ... Das heißt: 


Trotz ein paar Kilo mehr und Lächelfalten, 

Das Foto mit uns beiden drauf beweist, 

Im Grunde sind wir ganz und gar die Alten! 



– Dirk Tilsner –



Dezember 25, 2025



Fachliteratur



 – An meine Pforte pocht, welch seltner Segen,

ein Handwerksmann, um Fliesen zu verlegen.

Trotz hageldichter Folge von Terminen

ist der Begehrte hier bei mir erschienen.


Ein knappes Stündchen weilt er nun im Hause,

da naht auch schon die Zeit der Mittagspause.

Er schiebt sich einen Burger in die Fresse

und blättert in der Regenbogenpresse.


Ein Rundblick lehrt mich: Seine Kompetenzen

bewegen sich in eng gesteckten Grenzen.

Ich sage, denn ich bin von sanftem Wesen:

«Sie sollten mal Die Kunst der Fuge lesen.»



– Cornelius –



Dezember 24, 2025



An alle Gindor


– hören >>



 – Hörd ma her, ihr Gudn! Balde

gommd dor Ohmd, vielleichd o Schnee,

und, ihr wissd schon, ooch dor alde

Schliddenfahrer mid seim Reh!

 

Wenn ihr dann noch Drauerflore

undern Fingernäscheln habd,

gelbe Zähne, feddsche Hoore,

haud der Gerl glei wiedor ab!

 

Wolld ihr dos?! Isch gloob ma, geener!

Also – huppmer nei ins Bad!

Zieh ni so ne Gusche, Gleener!

Hasde Angsd, dir fälld was ab?

 

Nee? Dann los, zor erschdn Rundn -

Duschn, jaaa, mit Seefe, Glaus!

Drigg ma uff da ohm un undn!

Und de Soggn ziehd mor aus!

 

Nu de Näschsdn – Ruhd un Baula!

Ooch Schneewiddschn wäschd de Fieß!

Alles einschmiern, Boobs, Gesichde –

Rosa Duschbad is ni sieß!

 

Hald! Glei noch de Lauschor budzn,

falls dor Rubrechd gaggern dud,

Nase grämn, Bony schdudzn …

So, ihr Liebn, jedz is gud.

 

Ach, wie glänsd ihr! Eene Wonne!

Habd sogar Barfiem genomm!

Jedz freud sich sogor de Sonne!

Weihnachdsmann, nu gannsde gomm.



 – Andrea M. Fruehauf –