gassen
– laternen leuchten
durch die schmalen gassen und
keine spur von mir
– Jörg Schaffelhofer –
– Im Bahnhof steht seit kurzem eine Box
Glanzschwanzlackiert mit einem runden Loch
Den Schädel steckt hinein der Wachmann Koch
Gleich sammelt sich im Halbkreis Gaffgesocks
Die Halle zittert voller Schmerzgeschrei
Dickölig plätschert Blut auf schwarzen Teer
Zwei Ohren zucken kreidebleich umher
Beschnüffelt durch den Hund der Polizei
Ein kleines Mädel brüllt ins Sturmgeläut
Frau Mutter wirft es grinsend übers Rund
Gelächter übertönt das Wehgekreisch
Es stöhnen im Verschmelzen tausend Leut
Grautaubenblau verbrennt ins Feuerbunt
Aus Geilheit beisst man sich ins weiche Fleisch
– Aron Manfeld –
– Der Weltverband ist ungehemmt und gierig
und »Johnny« Infantino heißt der Boss.
Der Typ, total gewissenlos und schmierig,
sitzt fest im Sattel auf dem hohen Ross.
Er hat 'nen Draht zu Lügnern und Halunken
wie Putin und den Emir oder Trump.
Sein Weltbild wirkt erlogen und erstunken.
Ich brauche dringend einen Boonekamp!
Ach nein, der hilft mir nur beim Reimen weiter,
als Fußballfan jedoch wird mir gewahr:
Ein Scheißgefühl bleibt ständiger Begleiter
beim FIFA World Cup auch in diesem Jahr.
– Didi.Costaire –
– Längs der Straße, in den Gärten,
wo ich hin schau, Weggefährten,
und damit man sie beneidet,
sind sie festlich weiß gekleidet.
Ich betrachte sie verstohlen.
Welch ein Blick in ihren Kohlen!
Wieviel Nasen, frisch und spitzig!
Und welch Lächeln, lieb und witzig!
Wohl geformt sind auch die Bäuche.
Wüsste ich nur ihre Bräuche!
Winken sie nicht mit den Besen?
Heißt das, ich bin auserlesen?
Niedrig sind die Gartenzäune,
und dahinter lockt die Scheune …
Doch ich gebe besser Pfeffer,
denn schon bellen hundert Kläffer …
– Gummibaum –
– Wie im Atem der Katze
Im Atem der Enge
Im Atem der Eltern
Im Atem
Wie im Gesang der Fische
Im Gesang der Gospelkinder
Im Gesang der Fremde
Im Gesang
Wie im Fluchen des Vaters
Im Fluchen der Fans
Im Fluchen der Vergangenheit
Im Fluchen
Wie im Mantel der Nackten
Im Mantel der Verwirrung
Im Mantel der Heillosen
Im Mantel
Wie im Toben des Kindes
Im Toben des Sturms
Im Toben der Ausgelassenheit
Im Toben
Wie aus Idolen geschnitzt
Wie angemalt
Wie vor einem Erdbeben bewahrt
Wie immer
– Max Neumann –
– nie aufzugeben – es unermüdlich aufs Neue versuchen:
beim undichten Schuh nicht das Wetter verfluchen
denselben auch einmal pro Monat putzen
das Firmenklo nicht fürs Nickerchen nutzen
Gewieher bei zotigen Witzen vermeiden
die Scheiben in kleinere Scheibchen schneiden
nicht acht Gläser trinken, wenn sieben genügen
die Klappe halten, wenn andere lügen
wenn's sakrosankt schwabbelt, nicht heimlich glotzen
nicht durchdrehen, weil wieder mal alles – zum Kotzen …
als Dichter die Sprache noch weiter entwickeln:
das Binsengepinsel daktylisch vernickeln
den Duktus im Dickicht der Distichen tarnen
hermetisch in Hymnen (homerischen!) harnen
dann klar und verständlich, in manischen Festen
(Legende, Traktat, messianisches Mästen)
in dampfenden Jamben den Lorbären fangen
und zähmen, mit alles durchbrechenden Stangen
zuweilen zart-bitteres Herzdampfgebläse
und endlich dein Opus: das Wort in der Fräse
frag dich doch selbst:
..... Usain Bold verbrannte 30 Kalorien beim Sprint, aber
..... wie viele braucht ein geiler Vers?
– Dirk Tilsner –