April 12, 2026

 


Ein T-Rex 

im Streichelzoo



I.


 – Die Hunde

haben das Haus übernommen

und Menschenhütten

im Garten errichtet.


Du kannst Recht behalten

oder deine eigenen Zähne.


Das ist der Preis

für deine Träume:


Kein Preisschild,

sondern rohe Gewalt.


Im freien Fall

verkündet der innere Kompass

voller Stolz,


dass es nun endlich

wieder aufwärtsgehe.



II.


Reiß das Fenster auf

und lass die Dunkelheit rein.


Begehe Massaker

vor lauter Mitgefühl


und ziehe


– zum Beweis deiner Ehrlichkeit –


frei erfundene Fakten

aus deinem Rektum,


wie ein Zauberer

Kaninchen aus dem Hut.


Die Welt wird so

zum grenzenlosen Katzenklo

und du bleibst stolz darauf,

zur Streu zu gehören.



III.


Da steht ein Plastikgott

mit Wackelkopf

auf dem Fensterbrett


– bete ihn einmal an

und du hast zwei Sünden frei.


Bekennende Kannibalen

gewinnen plötzlich Wahlen


und unsere Träume

beginnen zu träumen


– von einer Welt ohne uns.


Irgendwo

implodiert leise

ein Kopf.


Es könnte deiner sein.



IV.


LASST MICH LOS!


Ich muss das hier noch

ganz schnell aufschreiben!


Nur noch diese eine Strophe,

dann werden sie es verstehen!


BITTE!


Nur noch dieser Absatz!

Nein, ICH bin nicht verrückt,


IHR SEID VERRÜCKT!


NEIN!!!



– klaatu –



April 11, 2026



Durch den 

Fensterladenspalt


(Ballade)



 – Es war einmal ein Mensch, der war zufrieden,

Der hatte einen Zaun und einen Hund,

Ihm war der hominide Gang beschieden,

Und zur Beschwerde sah er keinen Grund.


Er hatte außerdem ein Gegenüber,

Das ihm den Zweifel von der Seele nahm,

Er litt an gar nichts – nur am Lampenfieber,

Wenn ihm die Zukunft in die Quere kam.


Zum Beispiel fing sein Nachbar an zu fliegen,

Der Mensch sahs durch den Fensterladenspalt,

Und tags darauf ist er aufs Dach gestiegen,

Und in Gedanken flog er Richtung Wald,


Es hat der Mensch die Arme ausgebreitet,

Und nur der Absprung hätte noch gefehlt,

Der Brustkorb war ihm heldenhaft geweitet,

Der Mensch hat froh bis hundertelf gezählt


Und stieg bei hundertzwölf vom Dach herunter,

Er ging zu Bett und träumte von dem Flug,

Der ihn als Schwalbe aus Papier dann unter

Den Sternen hin zum Kinderspielplatz trug.


Dort ist er lautlos übern Sand geglitten,

Verfing sich jäh in einem Purzelbaum,

Und eine Besenhexe kam geritten –

Dann war er aber aus, der schöne Traum.


Der Mensch ist wieder hoch aufs Dach geklettert,

Und nunmehr hob er wirklich ab und flog,

Ist rein in einen Schweinestall gebrettert,

Als ihn der Wind auf Nachbars Grundstück zog.


Die Zukunft, sprach der Mensch, liegt nicht im Fliegen,

Des Bürgers Zukunft liegt im Flugverbot.

Dann ist er einmal noch aufs Dach gestiegen,

Man sah ihn fliegend um den Kirchturm biegen,

Er wollte einen Überflieger kriegen …

(und falls er abgestürzt ist – ist er tot).



– Peter Welk –



April 10, 2026



Mondsatzbibliothek/Exosphäre 
im Rucksack (für w.)



 – Ein Leben fliegt


Als Leichtgewicht


Mit luftgestimmten Saiten

Trifft es den Erdbegleiter



– Ubertas –



April 09, 2026

 


Träumerei



 – Leise rauschen Meereswellen

an den blütenweißen Strand

einer Insel der Seychellen,

wo ich meine Ruhe fand.


Schaukelnd in der Hängematte

liege ich, wie Gott mich schuf.

Aus der Ferne dringt durchs satte

Palmengrün ein Vogelruf,


scheint mich in den Wald zu locken,

wo die süße Feige reift.

Sorgen sind gleich Baumwollsocken

unauffindbar abgestreift.


Hoch vom Orchideenhügel

weht ein seidenweicher Hauch

sanft um meine Nasenflügel.

- Was ist das? Ein scharfer Rauch


beißt in meine Augenlider

und erstickt die Träumerei.

Unverhofft umgibt mich wieder

graues Großstadt-Einerlei


und ich sehe statt der Palmen

- ach, mein Wahn zerstob verfrüht -

nur den Ventilator qualmen,

welcher grüne Funken sprüht.


Weggerissen ist der Schleier,

Alltag nimmt mich in Besitz.

Nur der vogelwilde Schreier

bleibt im Bilde: Nachbars Fritz ...



– Cornelius –