Schweigemond
– Morphea –
– Familientag im Saunabad.
Die Luft stagniert bei achtzig Grad.
Ein Fliederblütenaufguss dampft,
man plaudert, transpiriert, entkrampft.
Da wundert sich der kleine Fritz
auf seinem warmen Erlensitz:
«Wer mag der Herr dort drüben sein?
Er streckt nur sein Gesäß herein …»
Die Tante sagt, im Blick die Tür,
mit pädagogischem Gespür:
«So merke, dass du's nicht vergisst:
Der Herr dort ist ein Posaunist!»
– Cornelius –
– Andrea M. Fruehauf –
– Wären wir wahrhaft frei,
wir würden springen.
Dies zu greifen macht aus dem Unmöglichen nur eine Möglichkeit
einer unmöglichen Erfüllung:
ein Streben immerfort ins gestrige Morgen.
Nur ein Gott kann uns noch helfen;
er ist Schmerz – die Furcht
vor einer Freiheit.
Ohne Grund,
unentschieden,
zu leicht gefangen
zwischen unseren Händen.
Bewahren wir ihn,
manchmal
zu nah am Herzen.
Liebe,
eine geschmiedete
Notwendigkeit
Wie die Angst,
dass nur die Angst uns hält.
Wer hielte ihn –
ließ ich ihn gehen?
Vielleicht:
ein Verlangen, ein Wollen,
ein Wille im Werden –
im Fallen sein,
kollidieren und
Zerschmettern?
Die Welt ist alles,
wenn sie fällt.
Jeder Grund,
unhaltbare Notwendigkeit –
sie zerbricht
an unserem Wesen.
Mit verdrehten Köpfen
schöpfen wir ein Gestern
im Morgen,
als gäbe es eine Kraft,
die uns zu Schöpfern heißt.
Ich frage dich,
und dein Ende
beginnt.
– Rufus –
Die Liebe ist am Donnerstag erloschen.
Sie – hat sich einen neuen Hut gekauft,
Ihm – blieb das Herz stehn. Durchgeschnauft
Hat er am Freitagmorgen und verdroschen
Hätt‘ er am liebsten erst einmal sich selber,
Wie kann ein Mann so dämlich sein und stellt
Das Glück, das er in festen Händen hält,
Um zweier rotlackierter Kicherkälber …
Setzt es aufs Spiel? Stellt es in Frage? Ginge
Er jetzt zu ihr und nähm‘ sie in den Arm …
(er denkt) … ich steh an ihrem Fenster … singe
(er ist Tenor, trainierter Frauenschwarm) …
Ich singe ihr vom unglücklichen Dieter …
Er tuts. Sie hörts – und küsst den Untermieter.
– ogolo –
Körbchen in den Wald.
ungehört und ignoriert.
Er saß auf einer Parkbank,
fragte Rotkäppchen.
Nebel umschlang seine Gedanken,
Ein geheimnisvolles Lächeln,
«Ernsthaft? Im Jahr 2026?
Du willst immer noch Menschen fressen?
Die Wendung der Geschichte
Ich war drei Wochen Pflanzenfresser.»
sind der Antrieb für Handlungen,
Sie trug Kopfhörer,
«du bist wirklich noch auf dem alten Stand.»
Das dauerte ungefähr fünf Minuten.
«Okay. Ich eröffne einen YouTube-Kanal.»
war der Wolf nicht mehr der Schrecken des Waldes.
der jeden Montag ein Video hochlud:
und warum ich heute lieber darüber rede.»
G'schpian.
Österreichische Verlobung
I mog di, weil i g'schpia, dass du mi mogst.
I mog des, dass du g'schpiast, dass i di mog.
Des g'freit mi, weil i g'schpia, dass du a G'schpia host fia mi.
Und de Freid mog i.
Des g'freit mi, weil wann du di g'freist üba des, dass i a G'schpia hob fia di, dann g'schpia i des.
G'schpiast da's ?
Wos ?
I mecht di heiratn!
Na sowos! I di aa!
– Scal –