Februar 09, 2026



Mit dir im Wort bleiben



 – Darüber hinaus

Bleiben


Mich still

Immer wieder aufs Neue

In dich verlieben


Stiller

Aber um die Brotkrumen

Wissend


Im Wort bleiben


Und darüber hinaus



– Otto Lenk –



Februar 08, 2026



Besuchsprotokoll



 – Heut kam Besuch und hat entschieden,

der Zimmerboden wird gemieden.

Wir legten Kissen aufs Parkett

und hüpften über diese Inseln

vom Sofa sorgsam bis zum Bett,

doch musste ich ein paar Mal winseln,

weil ich doch in die Lava trat,

die überall ihr Böses tat.


Mein Gast ersann dann in der Diele

mit Gift bewehrte Krokodile.

Wir fütterten sie bald am Fluss

mit seinen Keksen aus der Dose.

Die Monster lobten den Genuss

und bissen uns vergnügt nur lose,

zuletzt jedoch fiel ihnen ein

doch abgrundtief gemein zu sein.


In einer Höhle hinter Sesseln

begannen sie uns anzufesseln.

Ich fragte ängstlich, was das soll.

Da machten sie aus uns zwei Stoffeln,

damit wir schwiegen jammervoll,

im Handstreich einfach Bratkartoffeln.

Zum Glück erscholl die Klingel dann -

Man holte ab den kleinen Mann …



– gummibaum –



Februar 07, 2026



Volk im Wind



 – Ich trage dich aus,

Sturm.


Kein Blatt von mir

will weiter fallen.


Ich zähle dich an,

Sturm.


Keine Ader von mir

schlägt in deinen Schneisen nach.


Ich fege dich ein,

Sturm.


In mir

wirst du

Kronen.



– ubertas –



Februar 06, 2026



Winterwanderung



– Endlich liegt wieder Schnee

auf kahlgewehten Bäumen.

Schweigen, das sich

einen Körper gibt.

Und wer die Stille wirklich liebt,

der findet sie beim Wandern

in den weiß verschneiten

Räumen.


Im Wald, da wohnt jetzt eine Ferne

von allem Leben, wie die

fast perfekte

Einsamkeit.

Und glänzten dort am Himmel nicht die Sterne,

man sähe nichts und spürte

bloß die Zärtlichkeit

der Kälte.


Birkenspiel.

Bräute in weißem Kleid aus Reif.

Mit letzten Ästen fassen sie sich an.

Das Sternenlicht auf Eis,

es frommt

dem späten Wandersmann,

der leis anstimmt den alten Sang

an Steingerðr,

die Wintermaid.


Nacht kommt.

Hand, die so gerne trösten will

und doch nicht kann.

Gottes Nähe hängt daran,

sagt man.

Nicht, weil er still

in größter Dunkelheit verschwand,

nein, weil man

spüren kann,

wie sehr er in den rauen Nächten

fehlt.


Vieles bleibt fern

in diesen stillen kalten Tagen,

so fern, dass selbst die Sehnsucht nicht mehr reicht.

Schneeflocken beklagen.

Ein längst verloschener Stern.

Kunst, die schmilzt,

bevor man sie begreift.



 – Dionysos von Enno –



Februar 05, 2026

 


Winterlied



 – Denkst du noch an jenen Sommerabend

Als der erste Kuss daneben ging?

Hast du noch die Rosen in der Nase?

Siehst du noch, wie hoch der Himmel hing?

 

Wär ich damals in den Baum gestiegen ...

Hätt' ich ein paar Sterne umgedreht ...

Hättest du beim Knöpfen still gehalten …

Ach, die Zeit hat alles überweht ...

 

Kälte ist schon übers Dach gekommen.

Winterblumen spannen Silbernetze.

Hätt'st du je das Ende so gedacht?

Sommerwünsche wurden über Nacht

Zwei im Schnee vergess'ne Lieblingsplätze.



 – Peter Welk –



Februar 04, 2026



An der Schwelle 

des Morgens



 – Du stehst an der Schwelle des Morgens,

das Licht kennt deinen Namen noch nicht.

Die Zeit atmet langsam

unter deinen Füßen.


In deinen Augen liegt ein fernes Meer,

wellenlos, aber tief.

Eine Stille,

die niemand berührt hat.


Dein Herz ist wie ein altes Haus,

dessen Fenster offen geblieben sind.

Der Wind tritt ein

und hebt die Vergangenheit

behutsam aus ihrer Ruhe.


Du sprichst ein Wort,

schwerer als seine Bedeutung.

Es bleibt in der Luft

und verschwindet dann,

ohne eine Spur zu hinterlassen.


Als der Abend näherkommt,

werden die Schatten länger,

Du bleibst an deinem Ort,

mit der bloßen Existenz.


Und die Welt,

selbst wenn sie dich nicht bemerkt,

wird durch dich

still vervollständigt.



– Önder Özkan –



Februar 03, 2026



Tonic



 – Sie lässt das Tonic schon lange weg

Ist genügsam geworden

Gin reicht ihr

Darüber hinweg

Selbst worüber ist schon lange weg

Darüber hinweg reicht ihr


Die Fotografie

Längst aus dem Rahmen genommenes

Der Blick auf den leeren Rahmen reicht ihr

Tage, Stunden, Minuten vergehen

Einfach so

Das genügt ihr ...


... und der Blick auf die traurigen Gardinen

Die das Fenster ohne Aussicht umrahmen



– Otto Lenk –