Februar 20, 2026



Mitternachts Tango



 – Ein Vollmond fließt zum Fenster rein,

kriecht hoch hinauf zur Decke.

Dort wickelt er, mit Charme & Schein,

die weiße Kugelleuchte ein,

wovor ich fast erschrecke.


Umwirbt, wenn auch recht ungesund,

das aufgeblas’ne Ding – 

mir dünkt als ob, durch Glases Rund,

der Dickwanst Feuer fing.


Ich geh und suche, leicht verstört,

mir Hilfe gleich bei Google:

Hat wer von Mondes Flirt gehört

mit einer Deckenkugel?


Nicht einer, der sich äußern will

zu dem, was ich gesehen.

Und meine Kugel? Hängt steril,

lässt Mondes Tanz geschehen.



 – niemand –



Februar 19, 2026



Visionen im Februar



 – Der Morgen breitet Nebelfahnen,

verlegt sie auf ein schwarzes Feld,

auf Städten liegt ein dunkles Ahnen,

wie Kohlenstaub im Himmelszelt.

 

Und dennoch gibt es zarte Sterne,

bei einer Sicht in Grau getrübt.

Ein Acker krümmt die weite Ferne,

es ist, als wenn der Tag noch übt.



– Heike –



Februar 18, 2026



Am Ende der Gleise



 – Am Ende der Gleise

Alles Anfang

Chöre, Hoffnung, Huren

Marmorgesichter aus Nebel


Alle Fremden weiße Hemden

Angst fressen Liebe auf

Hunde gehorchen. Immer.

Damit wir in Liebe baden


Am Ende der Gleise

Hundekinder, Hoffnung, Engel

Alles neu

Nachteulen im Sonnenlicht


Das Ende der Gleise

Die Fahrt geht im Kreis

Angst essen Seele auf

Wie Bluthunde


Wie Bluthunde



– Max Neumann –



Februar 17, 2026



Winterlich



 – Der Schnee fiel heimlich. Draußen kauert

ein blindes Weiß, das Farben schluckt,

und eine wüste Stille lauert,

sodass kein Mund mehr Töne spuckt.


Nur eine große Schaufel hört

man kratzend immer näherkommen,

als ob sie wegreißt, was sie stört,

was ihr zu frei ist und verschwommen.


Wir halten still, von Angst durchschauert,

bis Frühling in die Fenster guckt,

und wissen doch, die Herrschaft dauert,

die alle Hoffnung eisern duckt …



– gummibaum – 

Februar 16, 2026

 


Schneewittchens 

Rosenmontag



– Frau Schmidtchen geht zum Karneval als Flittchen.

Frau Schmidtchen ist ein Ausbund an Moral

normalerweise, dort im Zillertal,

wo man sie kennt als Zillertalschneewittchen,

das couragiert den Zillertaler Kerlen

den Weisel gibt, wenn diese sie umgurren,

dann hört man Schmidtchens Kicherkatzenknurren:

Sie werfe vor die Säue keine Perlen,

es sei denn …! Und es ist im Karneval,

dass im Schneewittchen seltne Säfte gären,

die rosenmontags ihm das Herz beschweren,

dann pfeift Schneewittchen hörbar auf Moral …


dann haut's Frau Schmidtchens Haltung in den Keller,

ihr schwillt ein Giergesicht plus Lustpropeller.



– tordilo –



Februar 15, 2026


 

Gleiche Gier für alle!



– Paul Pütter ist vom Wesen her ein Reh,

ein scheues, wie es durch Romane springt

die Bächlein lang, derweil die Lerche singt;

und manchmal hüllt Paul Pütter auch der Schnee

in Jahreszeit und Stillvergnügen ein –

so pulst Paul Pütters Leben vor sich hin.

In seinem Schädel pulsen dick und dünn

die schönen Frauen zu Gesang und Wein,

wenn nach dem Winter ihn der Narrentrieb

zu Frohsinn und Enthemmung ruft, dann platzt

in Pütters Sein ein Knoten, Irrsinn kratzt

die scheue Seele auf … (wie Goethe schrieb:


Zum Rosenmontag juckt's in Zahn und Finger,

es schrumpft der brave Mann zum Lustmaulschlinger.) 



– tordilo –


Februar 14, 2026



Wo die Liebe hinfällt



 – Die Liebe wollte durch den Magen,

doch sie verlor sich im Gewühl

der vielen Dinge, die dort lagen

und blieb ein bloßes Bauchgefühl.


Drauf wollte sie im Herzen wohnen.

Das brannte plötzlich lichterloh,

worauf sie, statt dort lang zu thronen,

aus dieser Mördergrube floh.


Nun schleicht sie zwischen grauen Zellen,

in die sie ganz verstohlen linst,

und bleibt, im Dunkeln wie im Hellen,

nichts weiter als – ein Hirngespinst.



– Cornelius –