färbung
aus sonnenbäumen
banden sie mein haar
nach hinten september
zogen eine strähne
orangerieroten lockens
– ubertas –
– Du erklingst in Versen, Schattenkind.
Singst zu mir die wolkenschweren Weiten,
flüsterst mir die knöchernen Gezeiten.
Hauchst du einen Zauber in den Wind,
sind es Echos deiner Schöpfung Meister.
Manchmal, wenn sie in der Jetztwelt branden,
fallen Tränen ihrer klaren Geister
dort, wo jene wohl am Urgrund standen.
Schenkten ihre Weisheit kaltem Stein,
spröde Riesen, die mich sanft umkreisen.
Dieser Erde stille, stolze Waisen
laden mich in deine Träume ein.
Sternenperlen schmücken deine Lieder,
schmeicheln deinem Lichterfädenkleid.
Sinkt mein Sehnen schließlich zu dir nieder,
lächelst du nur Unergründlichkeit.
– Marcus Sommerstange –
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Vielleicht waren wir es,
die immer versucht haben,
es anders zu machen.
Wir nannten es
Anfang,
weil wir nicht wussten,
dass alles längst begonnen hatte.
Wir nannten es
Ende,
weil wir Angst davor hatten,
dass nichts wirklich endet.
Und irgendwo dazwischen
gingen wir durch die Jahre,
mit unseren kleinen Wahrheiten
in den Taschen,
als könnten sie uns
vor der Dunkelheit schützen.
Wir liebten,
als gäbe es ein Morgen.
Wir verloren,
als wäre gestern
noch irgendwo zu finden.
Wir suchten nach einem Sinn
und übersahen dabei
die Dinge,
die keinen brauchten.
Eine Hand,
die uns hielt.
Ein Blick,
der blieb.
Das Geräusch eines Menschen,
der neben uns atmete,
während die Welt
für einen Augenblick
aufhörte,
etwas von uns zu verlangen.
Vielleicht ist das
alles gewesen.
Nicht die großen Antworten.
Nicht das,
was wir erreicht haben.
Nicht einmal
die Geschichten,
die wir später über uns
erzählen werden.
Vielleicht war das Wichtigste
immer nur dieser eine
unbemerkte Augenblick,
in dem wir
noch nicht wussten,
dass er gerade
unser Leben war.
Und vielleicht
ist das Geheimnis
nicht herauszufinden,
warum wir hier waren,
sondern irgendwann
zu begreifen,
dass wir nie
woanders sein mussten.
– Önder Özkan –
– Sie trägt noch immer jenes blaue Kleid.
Im Hintergrund verdunkeln sich die Bäume.
Der Maler gab ihr einen Mund aus unbezahlter Zeit
und um die Schultern unbewohnte Räume.
Als wäre jemand längst
Vergessenes heimgekehrt,
liegt auf den Lippen dieses tiefe Beben.
So hat sie einst auf deinen Schritt gehört,
bevor er unterging in all dem
deinen
ungelebten Leben.
Du hast ihr Zimmer fortgegeben.
Langsam zuerst:
den Schrank. Das Bett. Zuletzt
den Reif, der ihr im Leben
das lange Haar gehalten hat.
Und abends kam ein
Nachtigallenpaar
und starb.
Du wurdest groß.
Dann älter als die Hände,
die doch so vieles von dir nahmen.
Und manchmal gingst du nachts durch fremde Wände
im Traum zu ihr.
Sie ruft dich immer noch,
als seist du Kind
und habest keinen
Namen.
Nun stehst du wieder da. Auf ihren Knien
ruht eine Hand, als müsse sie dich halten,
wie damals, als du gingst,
ihr zu entfliehen und
deine Flügel zu entfalten
– und gingst doch bloß, um
furchtbar lang
und schwer zu altern.
Nun trittst du hin
zu ihrem Stein
ins Licht.
Etwas beginnt zu steigen:
dein Angesicht. Vom langen Leben blind
darfst du dich endlich wieder hin zu ihren vielen Armen neigen.
Sie wartet auf ihr Kind.
Und du bist alt genug.
– Dionysos von Enno –
– Die Minze ist schwarz
an den Rändern.
Zwischen den Stängeln
Spinnfäden,
an denen Nässe hängt.
Ich schneide zurück,
was über den Topf wuchert.
So tief im Jahr
noch ein grünes Inneres,
feucht
an der Schnittstelle.
Du strichst im Vorübergehen
mit der Hand darüber.
Lange blieb Duft
an allem,
was du berührtest.
Ich zerreibe
das letzte Blatt.
An meinen Fingern
stirbt der Geruch
des Sommers.
– Chandrika Wolkenstein –
Vom schwarzen Fels, das Meer im Schaume klar,
herab und dieser Welt ein Letztes auszurichten …
Der Himmel eilt herbei und unsagbar
spricht er uns an, auf seiner Stirn zu sichten
der hohen Wolken weites Treiben,
des Sturmes Sprung von Wind zu Wind,
der Vögel Flügelspiel ein Bleiben
in Lüften warmen Blaus gewinnt.
So schleichen wir von schroffen Steinen fort,
ersegeln schneidig unseres der Firmamente.
Wir wanken anfangs, träumen diesen Ort
und flattern weiter. Nichts, was uns zertrennte.
– Béla Wiesner –
– Lieber Sommer, lass dir sagen:
Länger sollst du uns nicht plagen,
denn ab morgen ist Oktober
und die Ernte liegt im Schober -
ausgenommen jene Orte,
wo der goldne Halm verdorrte
oder man das Notgereifte
traurig in die Scheunen schleifte.
Nur der größte Zeitverschwender
blickt noch müde zum Kalender.
Herbst - nur mehr ein bloßer Name,
unverbindlich wie Reklame.
Sommer, ja, ich sehe schon:
Du sitzt fest auf deinem Thron,
willst dort fürstlich weiter dösen
und den Würgegriff nicht lösen.
Selbst die Wetterfrösche schweigen.
Wagte einer, sich zu zeigen,
packte ihn der Storch beim Hintern,
statt am Nil zu überwintern ...
– Cornelius –