März 01, 2026



Allein



– Liebster, heut um Mitternacht

Da wars mir so, als wärn die Sterne

Dir näher noch als gestern

 

Hab darüber nachgedacht

Und weißt du was? Ich tät so gerne

Mit all den Sternenschwestern

 

Droben wachen über dich

Auf schwarzem Samt behutsam funkeln

Kometen für dich lenken

 

Traumesleise würde ich

Den Mond mit Wolkenflor verdunkeln

Und reinen Schlaf dir schenken

 

Später aber, Liebster mein,

Flög ich mit Wind und Eulenflügeln

Durchs Tal zu frühlingsbunten Hügeln

Und schlief wie du. Ganz tief. Allein.



 – Andrea M. Fruehauf –



Februar 28, 2026



Im Schaltjahr geboren



 – Am letzten Tag im Februar

bin ich dereinst geboren.

Mein Altern blieb, ganz sonderbar,

so ziemlich eingefroren.


Ich wurde eins im vierten Jahr

und lag noch in der Wiege,

und Vater, der ein Preuße war,

im siebenjähr’gen Kriege.


Mit fünfzehn warb ich Goethe an

und lehrte ihn zu dichten,

mit vierzig Rilke, um den Mann

auf Orpheus auszurichten.


Zweihundertfünfundsechzig wär

ich heute. Doch beizeiten

gelobte Cronos folgenschwer,

mich langsam zu begleiten …



– gummibaum –



Februar 27, 2026



Aus dem Tagebuch 

eines Quastenflossers



 – Wie schön, am Sockel der Komoren

verträumt ins tiefe Blau zu blicken,

wo alle Uhren langsam ticken.

Hier lässt die Welt mich ungeschoren.


Welch Hochgenuss, herum zu dümpeln

und mich mit schicken Flossenquasten

am Meeresgrund entlang zu tasten.

Was soll ich in Gezeitentümpeln?


***


Ein Oktopus hat mir geschrieben

(noch tintenfeucht ist sein Gekrakel):

«Mein Lieber, Kiemen sind ein Makel.

Wir sind schon weit zurückgeblieben.


Die Kunde ist zu mir gedrungen:

An Land, da wimmelt es von Lurchen,

die träge durch die Sümpfe schlurchen.

Wer auf sich hält, der hat jetzt Lungen!»


***


Die Meldung heute: «Es wird hektisch.

Der Himmel braust von Fittichen

von Adlern, Tauben, Sittichen.

Ein Dodo gilt schon als eklektisch.»


***


Der Krake depeschiert mir eben

mit sehnigem Tentakelpinsel:

«Nicht weit von hier auf einer Insel,

da soll es jetzt Lemuren geben.»


***


Und heut beeilt er sich zu schreiben:

«Ein Klumpen Lehm ist Mensch geworden

und schon beginnt das große Morden.

Wir sollten wohl hier unten bleiben …»



– Cornelius –



Februar 26, 2026



Titel einfach nur Titel 

nein wie kreativ



 – Oh


ich wackerer,

vom Sande unverstandener

Wüstenprediger!


Warum möchte bloß niemand

die herrlichen Symphonien hören,


die ich so zärtlich

in den Wind furze?


Oh


und warum


- wo wir schon mal dabei sind -


wundere ich mich überhaupt darüber,

dass keiner mehr Lyrik liest,


wenn sogar das hier

als „Gedicht“ durchgeht …?


Oh


wann höre ich endlich

mit diesen peinlichen Texten auf!?


Ist ja wirklich

zum Fremdschämen

mit mir.


Zum Glück

liest das hier keiner.




--- Dieses Gedicht steht zum Verkauf.

Leichte Gebrauchsspuren, nur ein paar mal gelesen.

Inklusive Extra-Satzzeichen: ,;,:-?-#!!“()&/%´;.;.-!?

In liebevolle Hände abzugeben.

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(gerne auch in Pfandflaschen) ---



– klaatu –



Februar 25, 2026


 

Vierminuseins



 – Langsam verblich

das Maß der Zeit.

Unbemerkt,

nur fast berührt.

Umhüllen uns


Sehnsuchtsräume.


Und so vergeht,

wie der Schmerz

mit der Wahrheit –

der Wunsch,

einer Sorge gleich:

Bedeutung.


Einst wird

gewesen sein


ein Tempel

aus Ruin

entborgen.



In der Tiefe der Notwendigkeit,


am Rand des Zentrums,

der verlorenen Berührung,

des Wartens, des Beinahen.

Des ewig Unentdeckten,


wandelt die Möglichkeit.



– Rufus –