Juli 01, 2026



So langsam schwant mir was



 – Wie zieht der Schwan

den Blick doch an –

in einer stillen Weise


dreht seine Kreise

auf dem Teich

wirkt weise

blütenweiß und weich

erstrahlt mir sein Gefieder


Welch Prinz aus fernem

Märchenreich

denk wieder ich –


und wieder

das gleiche Spiel

in gleicher Art


Am Ufer fühl ich mich genarrt

sein Watschelgang nicht grad famos

er zischt mich an

sein Hals zu groß


Kein Prinz

aus fernen Ländern –

wird Zeit

den Traum zu ändern



– niemand –



Juni 30, 2026



Alles gleich aber anders



die Wege die ich gehe

sind nicht mehr dieselben

und der Regen fällt


ich suche traurig

deine letzten Momente

am Lieblings-Schnüffelbaum


ich gehe nun weiter

ein seltsamer Wind

und Tränen wie Regen


man soll, 

wenn man am Boden liegt

aufsteh’n und die Krone richten.


Ich kann das nicht mehr –

weil du meine Krone bist.



– Morphea – 



Juni 29, 2026



Planken



Ein Tritt von Sohlen


Durchlaufen


Ein eintretender Stein

Ein Stück

Ein Splitter


Erschüttern


Murmeln


Schießen


Kullern


Ein Astloch wachsender

Zweige

Aus jemands Hand gefallen


Ein letzter Brief


Zwischen ihnen



– ubertas –



Juni 28, 2026



Mitte des Jahres



 – Verstummt sind Nachtigall und Kuckucksrufe.

Das weiße Gold des Spargels glänzt nicht länger.

Ein letztes Erdbeerköpfchen rollt vom Hänger.

Der Jahreslauf erklimmt die nächste Stufe.


Nun schwingt das Heupferd wieder seine Hufe.

Im Roggen schleichen heimlich Rattenfänger

und unterm Mond brillieren neue Sänger.

Ein feiner Staub bedeckt die Schlittschuhkufe.


Sobald es dunkelt, glimmen Glühwurmfunken.

Kein Feuerwerk, das dieses überböte,

begleitet vom Geläut der Rotbauchunken.


Die junge Nacht weicht bald der Morgenröte.

Der Schleier hebt sich, kaum herabgesunken,

und wieder spielt die Amsel auf der Flöte …



– Cornelius –



Juni 27, 2026



Versickerte Erde



nach einem langen Flug

tropft der Tropfen

aufs höchste Blatt


am Baum

die Spitze


rollt

fällt

tiefer


nimmt im Lauf

einen anderen Tropfen auf


fällt fällt


aufs

tiefste

Blatt


das hält

ihn nicht auf



– Rachel –



Juni 26, 2026



Sag's mir besser nicht!



 – Ich mach mein Leben wo es geht mir angenehm

und demonstriere nicht denn das ist unbequem 

ich nehme meine kleinen Eitelkeiten wichtig

ich mach nichts falsch

doch mach ich alles richtig?


Ich hab so manches das mit falschem S geschrieben

und Geistreiches mit einem flachen Satz vertrieben

du stellst mir tausend Fragen aber ich bleib stumm

ich bin nicht klug

doch bin ich darum dumm?


Ich akzeptiere meine eignen Unzulänglichkeiten

und mag mit wilder Lust um fremde Fehler streiten

dem Scheine nach bin ich bisweilen selbstgerecht

ich bin nicht gut

doch bin ich deshalb schlecht?


Ich kenn den Sieg doch besser noch die Niederlagen

das Eine lässt sich leicht das Andre schwer ertragen

nachdem du gingst lag ich so viele Nächte wach

ich bin nicht stark

doch bin ich darum schwach?



– TassoTuwas –



Juni 25, 2026

 


Der Gartenzwerg



 – Ein Mann aus Eichsfeld, westlich einst gegossen,

zur Ostfigur erst hinterher lackiert,

steht hinterm Rhododendron, unverdrossen,

man hat ihn nicht bestellt, nur importiert.

Sobald der Grill entflammt, erhebt der Mann

den rechten Arm, doch deutet er nur schlecht,

die Richtung stimmt nicht ganz. Man lacht ihn an.

Die Gäste finden ihn erstaunlich echt.

Bei Dunkelheit beginnt der Mann zu sprechen,

vom großen Tausch, vom Volk, das untergeht,

die Gäste hörens zischen, und sie zechen,

bis echtes Donnern überm Garten steht.

Der Krieg, den er so gerne kommen sah,

kommt wirklich an, nur leider hier, zu Haus.

Die Gäste flüchten, keiner bleibt mehr da:

man birgt, was glänzt, und schifft das Glänzen aus.

Die Kiste reist, wie Kriegsgut eben reist,

verstellt, verzollt, vergessen, bis sie dann,

ein Junge öffnet, welcher Hamsa heißt,

in einem Hinterhof in Matheran.

Die Mutter sieht den steifen Arm: er winkt!?

Der Arm steht gut: man könnte Wäsche hängen,

das Safranhuhn, den Korb, das nasse Tuch.

Man tut es nicht. Man will ihn nicht bedrängen.

Der Gast ist keine Stange! Denn das wäre Fluch!

Sie winkt zurück und bringt ihm Tee und Reis,

ein Kissen auch, sobald die Sonne sinkt,

die liebevollen Blicke überreichen ihm ein Eis -

man pflegt den Gast. Das ist hier leider so!

Bei Dunkelheit beginnt der Mann zu sprechen,

vom großen Tausch, vom Volk, das untergeht,

da hört der Hof nur seine Brunnen plätschern,

weil hier kein Mensch die Sprache je versteht.

Er sieht sich satt an Leuten, die er hasste,

und trägt, was schwerer wiegt als jede Last:

dass keiner hier in seine Rede passte.

Er kam als Feind und wird gepflegt als Gast.



– seefeldmaren –