Aus dem Nebelnichts
( Tanka )
– aus dem nebelnichts
schwebt eine geisterbarke
still über den see
keiner der steuert – und doch
hält sie genau auf mich zu
– Hans Herrmann –
Ich guck nur, weil du guckst.
Ich schlafe eigentlich.
Wie Möpp, der Kater, kann ich locker spucken
Auf Stunden und Sekunden,
Uns ist die Zeit egal.
Dem Tag folgt allemal die Nacht, na und?
Kein Grund,
Den Lauf der Welt in Happen kleinzudenken.
Wir haben Zeit zu verschenken!
Scheint noch die Sonne draußen? Oder schneits?
Hat unser Mensch bereits
Sein Tannenbäumchen bunt gemacht?
Aufs Jahr gelacht, das grade war?
Mit rosarot umgaukelten
Von Zuversicht umschaukelten
Gedankenpurzelbäumeklettertouren?
Guckt unser Mensch schon wieder auf die Uhren,
Die für ihn ticken, die ihn weiterschicken
Die Jahre lang? Was so kein Hund versteht,
Weil Hund nicht nach Kalenderblättern geht,
Hundsein geht anders. Katersein geht auch
Ganz anders.
Nee, Kalender,
Nee, sowas müssen wir nicht haben,
Der Möpp und ich,
Wir können schlafend lange Wege traben
Und Zeit verbuttern
Beim Träumefuttern …
– Peter Welk –
– Marktbeherrschender Maßstab:
Mächtige Mikropenisse
mit Megalosaurus-Mindset.
Monumentaler
Männerabend-Marathon,
Mad-Max-Modus.
Mitglieder:
- muschigrabschende Minderwertigkeitskomplexe
- misogyne Muttersöhnchen
- mittelmäßige Minions mit Ministeramt.
Muskulöse
Märchenprinzen
manipulieren
masochistische Mädchen.
Mit moderater Mordrate.
Meisterhafte Masturbartoren
malträtieren
Muränen-Melkmaschinen.
Moderne Mammutjäger
markieren momentanen Mainstream
mittels mittelalterlicher
Macho-Mechanismen.
Möchtegern-maskuline
Mogelpackungen
machen Machtspielchen.
Manche mögen's ...
Mama mia!!
– klaatu –
– wir sitzen auf der schlachtbank
und schauen gen osten
wo das echo großer ideen immer noch
sein mausoleum sucht
du fragst mich, ob ich gott spielen will
wenn ich bloß wüsste, wie napalm riecht
doch ich schmecke nur die filterlosen
diese kriegsberichterstattungsschlager
ihre kippen hebe ich auf
für die wirklich schlechten zeiten
du fragst mich, ob sie bald kommen
wenn ich bloß wüsste, aus welcher richtung
dennoch habe ich begonnen zu beten
und stelle mir dabei vor, wie sie ist
die ewigkeit
ich bete ihre farbe in mein blut
ich bete ihr aroma in die form
eines verbrannten satzzeichens
ich bete sie als vorschlag in ein amen
aber wer hört mir schon zu?
wenn ich auf die knie falle
sehnt sich mein herz zugleich
nach einem neuen deal
mit meinem verstand
doch auch ihn zog es fort
auf einen kreuzzug unter der flagge
eines woken tinnitus
ich wüsste zu gern
ob er tatsächlich kämpfen wird
vielleicht spiele ich ja doch
ich spiele mit dir
denke dich morgen-rot
und erkläre dir den reim
dann ziehen wir gemeinsam los
ihn zu suchen
irgendwo in jener hölle
dort im osten
– Marcus Sommerstange –
– die Stimmungsbörse schon wieder im Keller
bei diesem Stau tanzt ganz allein
ein von Schnabel bis zu den Krallen
beringter Spaßvogel
vor der Ampel und jongliert
ballert voll Allegro um sich
wie ein Finanzberater mit seinen Verheißungen
wenigstens fällt ihm nach jedem großen Wurf
eine Nulldividende spielend in die Hände
so in etwa
funktioniert wohl die Wirtschaft:
der Eine sitzt am Steuer und sieht ständig rot
während sich der Andere sein täglich
Glück aus der Luft zaubern muss
wir kommen uns trotzdem näher
in den letzten Sekunden vor der nächsten
Konjunkturwelle der Abgasindustrie
Danke, Amigo! – jauchzt er mir noch hinterher
– Dirk Tilsner –
aus DAS GEDICHT, Bd. 32: Menschlichkeit
Die Poesie der Nähe, 2024