Novemberin
ich bin die Stürmin die
den Staub der Zeit
ins Sterben fegt
im Ozean Sekunden mischt
und übers Wasser
Locken legt
– Morphea –
In Erinnerung an:
Ein Dichter, der im Denken scharf,
die Menschheit froh beschenken darf,
kann in gereimten Musenbildern
so manchen Frust im Busen mildern.
Nicht Böses, was Gelichter denkt,
nur Edelmut den Dichter lenkt,
der sich, den Versfuß fein zu binden,
stets müht, das richt’ge Bein zu finden.
Wenn er auch eine Weile zagt,
bis er die erste Zeile wagt,
wird er die Tat im Schwunge zeigen,
doch soll hiervon die Zunge schweigen …?
👉 Anfrage beim Verlag des Dichters: Können Sie ein Foto von Günter Nehm
zur Verfügung stellen? Der Verlag bedauert. Im Internet kursiert nur ein briefmarkengroßes Bild, das zeitlich nicht einzuordnen ist.
Wer ist dieser hemmungslos drauflosfabulierende Dichter und Silbenschüttler?
Im Klappentext zu Laura & Leopold liebten sich lüstern – Günter Nehms Unmögliche Gedichte im Sammelband (Verlag Gerhard Winter), findet man Stichworte: Jahrgang 1926, war 30 Jahre lang im Ruhrkohlenbergbau als Diplomingenieur tätig, hat vier Enkelkinder, eines charakterisierte den Großvater so: «Mein Opi ist ein großer Dichter, und meine Omi ist sehr stolz auf ihn.»
Heute hält ein dunkler Wagen
mit Gardinen vor dem Haus.
Schwarze Herren, die es wagen,
ziehen mir die Kleidung aus.
Ich gebärde mich befremdet,
doch die Reaktion ist karg,
kalt gewaschen, weiß behemdet,
senkt man mich in einen Sarg.
Ehe ich es recht begreife,
schraubt man rasch den Deckel auf,
und tatsächlich, Leichensteife
zieht vom Fuß zum Kopf herauf.
Alles ist doch nur Versehen,
und es klärt sich sicher bald,
doch, wie soll ich das verstehen,
meine Hände sind eiskalt.
Höre Glocken, Orgelklänge,
Schluchzen und ein Trosteswort,
dann getragene Gesänge,
und zuletzt schleppt man mich fort.
Auf den Deckel poltern Steine -
Meine Glocken schrillen Sturm.
Doch umsonst! In meine Beine
bohrt sich schon der erste Wurm ...
– gummibaum –
Wir haben jetzt einen Hinweis,
wo sich Gott versteckt hält.
Die Instrumente schlugen aus,
als du mitten im Streit
deinen Zorn
aus meiner Wunde nahmst.
Ein kaum messbarer Ausschlag.
Doch für Sekunden
verlor der Hass
seine Richtung.
Wir sollten dort suchen:
im Windschatten der Wut,
wo einer dem anderen
die Waffe
aus der Stimme nimmt.
– Chandrika Wolkenstein –
Fliederstein gerät in einen Hinterhalt,
Wird in einen Sack gewuchtet und entführt.
Als er später dann die Abendkühle spürt,
Scharfer Wind ihm in den Ohrenmuscheln rührt,
Sieht er sich befreit in einem Winterwald.
Hier begegnet ihm an einem Gletscherbach
Nackt und tausendschön die Elfe Ursula,
Die er so noch nie in seinen Träumen sah,
Wie von rauem Reif umhaucht steht sie nun da,
Lange sagt sie gar nichts und dann schlotternd «Ach!»
Winterabend ist es. Und die Sterne blinken,
Während Ursula den Fliederstein umträumt,
Ihm die Männerwünsche aus den Kleidern räumt.
Morgens hat er sich noch einmal aufgebäumt,
Und er sieht die Elfe in der Ferne winken.
– Peter Welk –