Januar 24, 2026



Zeit zu verschenken!





Ich guck nur, weil du guckst.

Ich schlafe eigentlich.

Wie Möpp, der Kater, kann ich locker spucken

Auf Stunden und Sekunden,

Uns ist die Zeit egal.

Dem Tag folgt allemal die Nacht, na und?

Kein Grund,

Den Lauf der Welt in Happen kleinzudenken.

Wir haben Zeit zu verschenken!

Scheint noch die Sonne draußen? Oder schneits?

Hat unser Mensch bereits

Sein Tannenbäumchen bunt gemacht?

Aufs Jahr gelacht, das grade war?

 Mit rosarot umgaukelten

Von Zuversicht umschaukelten

Gedankenpurzelbäumeklettertouren?

Guckt unser Mensch schon wieder auf die Uhren,

Die für ihn ticken, die ihn weiterschicken

Die Jahre lang? Was so kein Hund versteht,

Weil Hund nicht nach Kalenderblättern geht,

Hundsein geht anders. Katersein geht auch

Ganz anders.

Nee, Kalender,

Nee, sowas müssen wir nicht haben,

Der Möpp und ich,

Wir können schlafend lange Wege traben

Und Zeit verbuttern

Beim Träumefuttern …  



– Peter Welk –



Januar 23, 2026



Ausklang



 – Das Klappern des Rollkoffers

auf dem Kopfsteinpflaster klingt

angemessen unangenehm vor

dem Bahnhofsparkplatz der um

die Zeit leer ist und er froh

nicht aussteigen zu müssen

als sie ihn hinter sich herzieht

bei so einem Wetter



 – Shallow – 



Januar 22, 2026



Mikropenisse 
mit Megalosaurus-Mindset



 – Marktbeherrschender Maßstab:


Mächtige Mikropenisse

mit Megalosaurus-Mindset.


Monumentaler

Männerabend-Marathon,

Mad-Max-Modus.


Mitglieder:


- muschigrabschende Minderwertigkeitskomplexe

- misogyne Muttersöhnchen

- mittelmäßige Minions mit Ministeramt.


Muskulöse

Märchenprinzen

manipulieren

masochistische Mädchen.


Mit moderater Mordrate.


Meisterhafte Masturbartoren

malträtieren

Muränen-Melkmaschinen.


Moderne Mammutjäger

markieren momentanen Mainstream

mittels mittelalterlicher

Macho-Mechanismen.


Möchtegern-maskuline

Mogelpackungen

machen Machtspielchen.


Manche mögen's ...


Mama mia!!



– klaatu –



Januar 21, 2026



eine auferstehung



 – wir sitzen auf der schlachtbank

und schauen gen osten

wo das echo großer ideen immer noch

sein mausoleum sucht


du fragst mich, ob ich gott spielen will

wenn ich bloß wüsste, wie napalm riecht

doch ich schmecke nur die filterlosen

diese kriegsberichterstattungsschlager

ihre kippen hebe ich auf

für die wirklich schlechten zeiten


du fragst mich, ob sie bald kommen

wenn ich bloß wüsste, aus welcher richtung

dennoch habe ich begonnen zu beten

und stelle mir dabei vor, wie sie ist

die ewigkeit

ich bete ihre farbe in mein blut

ich bete ihr aroma in die form

eines verbrannten satzzeichens

ich bete sie als vorschlag in ein amen

aber wer hört mir schon zu?


wenn ich auf die knie falle

sehnt sich mein herz zugleich

nach einem neuen deal

mit meinem verstand

doch auch ihn zog es fort

auf einen kreuzzug unter der flagge

eines woken tinnitus

ich wüsste zu gern

ob er tatsächlich kämpfen wird


vielleicht spiele ich ja doch

ich spiele mit dir

denke dich morgen-rot

und erkläre dir den reim

dann ziehen wir gemeinsam los

ihn zu suchen

irgendwo in jener hölle

dort im osten



 – Marcus Sommerstange – 



Januar 20, 2026



Der Marmorbrunnen


( Tanka )


 – der marmorbrunnen

im winterlichen friedhof

tränkt sein spiegelbild


ach – vergebens fische ich

im becken nach der sonne



– Hans Herrmann –



Januar 19, 2026




der Andere



 – die Stimmungsbörse schon wieder im Keller

bei diesem Stau tanzt ganz allein

ein von Schnabel bis zu den Krallen

beringter Spaßvogel

vor der Ampel und jongliert


ballert voll Allegro um sich

wie ein Finanzberater mit seinen Verheißungen

wenigstens fällt ihm nach jedem großen Wurf

eine Nulldividende spielend in die Hände


so in etwa

funktioniert wohl die Wirtschaft:

der Eine sitzt am Steuer und sieht ständig rot

während sich der Andere sein täglich

Glück aus der Luft zaubern muss


wir kommen uns trotzdem näher

in den letzten Sekunden vor der nächsten

Konjunkturwelle der Abgasindustrie

Danke, Amigo! – jauchzt er mir noch hinterher



– Dirk Tilsner –



aus DAS GEDICHT, Bd. 32: Menschlichkeit

Die Poesie der Nähe, 2024