Januar 09, 2026



The same procedure 

as every four years



 – Der Weltverband ist ungehemmt und gierig

und »Johnny« Infantino heißt der Boss.

Der Typ, total gewissenlos und schmierig,

sitzt fest im Sattel auf dem hohen Ross.

 

Er hat 'nen Draht zu Lügnern und Halunken

wie Putin und den Emir oder Trump.

Sein Weltbild wirkt erlogen und erstunken.

Ich brauche dringend einen Boonekamp!

 

Ach nein, der hilft mir nur beim Reimen weiter,

als Fußballfan jedoch wird mir gewahr:

Ein Scheißgefühl bleibt ständiger Begleiter

beim FIFA World Cup auch in diesem Jahr.



– Didi.Costaire –



Januar 08, 2026



(Bild Wikipedia)



Längs der Straße



 – Längs der Straße, in den Gärten,

wo ich hin schau, Weggefährten,

und damit man sie beneidet,

sind sie festlich weiß gekleidet.


Ich betrachte sie verstohlen.

Welch ein Blick in ihren Kohlen!

Wieviel Nasen, frisch und spitzig!

Und welch Lächeln, lieb und witzig!


Wohl geformt sind auch die Bäuche.

Wüsste ich nur ihre Bräuche!

Winken sie nicht mit den Besen?

Heißt das, ich bin auserlesen?


Niedrig sind die Gartenzäune,

und dahinter lockt die Scheune …

Doch ich gebe besser Pfeffer,

denn schon bellen hundert Kläffer …



– Gummibaum –



Januar 07, 2026



Wie immer 

(Im Atem der Katze)



 – Wie im Atem der Katze

Im Atem der Enge

Im Atem der Eltern

Im Atem


Wie im Gesang der Fische

Im Gesang der Gospelkinder

Im Gesang der Fremde

Im Gesang


Wie im Fluchen des Vaters

Im Fluchen der Fans

Im Fluchen der Vergangenheit

Im Fluchen


Wie im Mantel der Nackten

Im Mantel der Verwirrung

Im Mantel der Heillosen

Im Mantel


Wie im Toben des Kindes

Im Toben des Sturms

Im Toben der Ausgelassenheit

Im Toben


Wie aus Idolen geschnitzt

Wie angemalt

Wie vor einem Erdbeben bewahrt

Wie immer



 – Max Neumann –



Januar 06, 2026

 


Klecks im Meer



 – die Luft sie flirrt und irgendwer

hat rote Farben angemischt

mit Blau aus nordgeneigtem Meer

und über’s Morgenland gewischt


gen Westen zieht ein lila Band

legt sich auf Leinwand-Schafe

verwirkt sich mit dem Abendland

ins Dunkelblau - zum Schlafe



 – Morphea –



Januar 05, 2026



Versuch über das Scheitern



 – nie aufzugeben – es unermüdlich aufs Neue versuchen:

beim undichten Schuh nicht das Wetter verfluchen

denselben auch einmal pro Monat putzen

das Firmenklo nicht fürs Nickerchen nutzen

Gewieher bei zotigen Witzen vermeiden

die Scheiben in kleinere Scheibchen schneiden

nicht acht Gläser trinken, wenn sieben genügen

die Klappe halten, wenn andere lügen

wenn's sakrosankt schwabbelt, nicht heimlich glotzen

nicht durchdrehen, weil wieder mal alles – zum Kotzen …


als Dichter die Sprache noch weiter entwickeln:

das Binsengepinsel daktylisch vernickeln

den Duktus im Dickicht der Distichen tarnen

hermetisch in Hymnen (homerischen!) harnen

dann klar und verständlich, in manischen Festen

(Legende, Traktat, messianisches Mästen)

in dampfenden Jamben den Lorbären fangen

und zähmen, mit alles durchbrechenden Stangen

zuweilen zart-bitteres Herzdampfgebläse

und endlich dein Opus: das Wort in der Fräse


frag dich doch selbst:

..... Usain Bold verbrannte 30 Kalorien beim Sprint, aber

..... wie viele braucht ein geiler Vers?



 – Dirk Tilsner –



Januar 04, 2026

 


niederschmetternder Gedanke



– Wenn dieselben Leute,

die Texte schön finden,

die ich grauenhaft finde,

wenn dieselben Leute also loben,

was ich unter keinen Umständen für lobenswert erachte,

wenn genau sie meine Texte aber auch loben

und schön finden,

wie grauenhaft schreibe ich dann eigentlich?



– tulpenrot –



Januar 03, 2026



Paaradox 



– Warum gab uns Gott zwei Hände? 
Zum Begreifen dieser Welt, 
weil man manches nur verstände, 
wenn man es in Händen hält? 

Gab uns Gott die Beine doppelt, 
dass wir besser stehn und gehn, 
und zwei Augen, gut gekoppelt, 
um auch in 3D zu sehn? 

Hat uns etwa Gott die Ohren 
für den Hörgenuss gepaart? 
Sind wir zum Genie erkoren? 
Nein! Beim Hirn hat er gespart ... 


– Stefan Pölt –