September 11, 2026



Interview 

mit einer Eintagsfliege



 – Manch ein Reporter, der besticht,

weil er der Tiere Sprache spricht.

Und einen gab’s, der war im Nu

mit Eintagsfliegen gleich per du

und kriegte so ein Interview.


Er fragte eindringlich und viel,

die letzte Frage war subtil:

«Ach, sage mir am Schluss mal eben,

was ist im Eintagsfliegenleben

denn nun das wichtigste Bestreben?»


Lang hat die Fliege nachgedacht,

die Antwort sich nicht leicht gemacht:

«Ich weiß, man schläft ja gern bis zehn,

mein Rat ist daher nicht sehr schön:

Am wichtigsten ist Frühaufstehn!»



– Fritz Pfeiffer –



September 10, 2026

 


Der wahre Feind



 – Na,

wer will uns ins Verderben locken?


Natürlich

feministisch-marxistische Schneeflocken!


Und wer

sitzt fettgefressen

an den Futtertrögen?


Richtig:

Linksliberale Regenbögen!


Für wen

müssen wir alle

die Rechnung tragen?


Selbstverständlich für

transsexuelle Solaranlagen!


Und wer

hört einfach nicht auf,

uns auszurauben?


Diese

humanistisch aufgeklärten

Friedenstauben!


Ist doch offensichtlich!


Oder?



 – klaatu – 



September 09, 2026



Manche Lichter



 – Denn manche Lichter

sind nicht dafür da,

uns den Weg zu zeigen.


Sie sind dafür da,

dass wir uns selbst

nicht verlieren.


Und vielleicht

ist es genau das,

was Dunkelheit bedeutet:


Nicht, dass kein Funke mehr da ist,

sondern dass wir vergessen,

wo in uns

das Licht noch brennt.


Ich bewahre dich in mir

wie eine Sonne.



– Önder Özkan –



September 08, 2026



Kyrie



 – Ich warf das Wort

Erbarmen

in den hohen Raum.


Er löste sich aus meinem Mund

und schwebte allein

durch das Gewölbe.


Ringsum

die geschlossenen Münder

des Chors.


Der Klang berührte jeden

und fand

kein Gegenüber.


Dann kehrte er

zurück,


schmaler,

an den Rändern wund.


Ich nahm ihn wieder

unter die Zunge.


Dort liegt er noch:

ein unbestatteter Ruf.



– Chandrika Wolkenstein –



September 07, 2026



sieben arten blau



 – es gibt sieben arten von blau sagst du und wischst

mit einer handbewegung jeden möglichen einwand hinweg

dort oben sagst du und zeigst zum himmel

werden sie geboren und im meer spiegeln sie sich

sieben arten von blau und mindestens so viele grün

denke ich während felder und bäume an uns vorbeiziehen

und sich dein blick irgendwo weit vorne auf der straße verliert

sieben arten blau flüsterst du aber nur ein schwarz

und wie zum beweis fließen dir schwarzumränderte tränen über die wangen

und ich weiß in diesem moment ganz genau wo du in gedanken bist

dort weit vorne auf der straße wo sich dein blick im nichts verliert



– otto lenk –

September 06, 2026



Die wunderbare Wandlung



 – Sie hielt ihre Seele im leiblichen Kerker,

(ein unscheinbar sinnloses Ding,

wie sie es gern nannte) Ein Drang war viel stärker,

in dem sie sich täglich verfing.


Der Drang ihren Korpus auf Hochglanz polieren.

Die äußere Schönheit hielt stand

gar ein paar Jahrzehnte, dann kam jenes Spüren

des Wandels. Bald lag auf der Hand


die bittre Erkenntnis, es lässt sich nichts halten,

weil Schönheit, samt Frische verfliegt.

Egal was man tut, man gehört zu den Alten,

von Zeit und den Falten besiegt.


Sie schlug alle Spiegel im Hause in Scherben -

ihr Anblick verursachte Pein.

Zuweilen befiel sie der Wille zu sterben,

da rief ihr das Innere: Nein!


Es gab, nach so vielen verborgenen Jahren,

zum weiter Verleugnen kaum Grund.

So ist ihr die Seele ins Antlitz gefahren,

ins Auge, die Wangen, den Mund.


Und wer sie erblickte, der sprach: Kaum zu glauben,

was ich grad erfahre und seh –

die Zeit hat geschafft ihr die Schönheit zu rauben

und doch ist sie schöner denn je.



– niemand –



September 05, 2026



An Kristina R.


( Sonett )



– Wie soll ich jene Tage nochmals spüren 

Erinnerungen flackern ohne Sinn

Als Film in welchem ich gefangen bin 

Wohin wird mich mein Sehnen jemals führen 


Hannovers grauer Himmel weinte Tränen 

Die uns erwärmten wie der Sonnenschein 

Es schien das Glück für alle Zeit zu sein 

Sich aneinander küssend anzulehnen 


Noch heute schwebe ich durch jenen Raum

Im Geiste liege ich ganz nah bei dir

Nach dir kam niemals wieder eine Fee


Die mich von mir befreite aus dem Traum

Ein freier starker Mann zu sein ein Stier

Berauscht allein im Nachtmond hoher See



– Aron Manfeld –