Mondsatzbibliothek/Exosphäre
im Rucksack (für w.)
– Ein Leben fliegt
Als Leichtgewicht
Mit luftgestimmten Saiten
Trifft es den Erdbegleiter
– Ubertas –
– Leise rauschen Meereswellen
an den blütenweißen Strand
einer Insel der Seychellen,
wo ich meine Ruhe fand.
Schaukelnd in der Hängematte
liege ich, wie Gott mich schuf.
Aus der Ferne dringt durchs satte
Palmengrün ein Vogelruf,
scheint mich in den Wald zu locken,
wo die süße Feige reift.
Sorgen sind gleich Baumwollsocken
unauffindbar abgestreift.
Hoch vom Orchideenhügel
weht ein seidenweicher Hauch
sanft um meine Nasenflügel.
- Was ist das? Ein scharfer Rauch
beißt in meine Augenlider
und erstickt die Träumerei.
Unverhofft umgibt mich wieder
graues Großstadt-Einerlei
und ich sehe statt der Palmen
- ach, mein Wahn zerstob verfrüht -
nur den Ventilator qualmen,
welcher grüne Funken sprüht.
Weggerissen ist der Schleier,
Alltag nimmt mich in Besitz.
Nur der vogelwilde Schreier
bleibt im Bilde: Nachbars Fritz ...
– Cornelius –
– Die Kinder sind im Wald und bauen
für einen Wichtel Haus und Garten.
Er scheint den beiden zuzuschauen
und sorgsam im Versteck zu warten.
Ein lichtes Dach aus vielen Zweigen,
die einen hohen Stamm umstehen
und sich zu seiner Rinde neigen,
kann er von dort aus deutlich sehen.
Darunter steht, ins Laub gebreitet,
für ihn nach harten Arbeitstagen,
ein Bett aus Moos, und es bereitet
ihm schon von Ferne Wohlbehagen.
Im Garten sieht er ein paar Beete,
bestreut mit einer Samenmischung
für Blumen, die ihm eine stete
Gesellschaft bringen und Erfrischung.
Die Kinder, ehe sie nun gehen,
verlassen ihn mit dem Versprechen,
er könne sie bald wieder sehen,
sie kämen, ihm das Laub zu rechen …
– gummibaum –
– es weht dich
durch die kirchenschiffe
voraus
geht dir mondgeleit
um hörner der altäre
schlängelnd
ein abziehbild
legst du dich
ins blumenweiß
ein licht
geht an
ein licht
verlischt dich
ein falter
noch
im flügelschlag
– ubertas –
👉 Interpretationsversuch:
Das Gedicht beschreibt einen Menschen, der sich wie in einem Traum oder in einer anderen Welt bewegt. Er wird nicht selbst aktiv, sondern «wird geweht» – also von etwas Unsichtbarem geführt. Der Ort wirkt wie eine Kirche, was auf etwas Religiöses oder auf den Tod hinweisen kann. Der Mond begleitet den Weg. Das Licht des Mondes ist aber kein echtes Licht, sondern nur ein Spiegelbild. Das zeigt: Alles wirkt etwas unwirklich oder wie eine Illusion.
Später legt sich die Person «ins Blumenweiß». Das kann an Blumen bei einer Beerdigung erinnern. Es könnte also bedeuten, dass die Person stirbt oder sich dem Tod nähert.
Dann kommt ein wichtiges Bild: Ein Licht geht an, aber dieses Licht «löscht» den Menschen aus. Das heißt, das Licht steht hier nicht für Leben, sondern eher dafür, dass das Ich verschwindet.
Am Ende bleibt nur noch ein «Falter im Flügelschlag». Der Falter (Schmetterling) ist ein Symbol für die Seele und für Vergänglichkeit. Das «noch» zeigt, dass nur ein letzter Rest von Leben oder Bewegung da ist.
«Subtraktion der Engel» handelt wahrscheinlich vom Sterben oder vom Verschwinden des eigenen Ichs. Es zeigt diesen Moment ruhig und in schönen, aber auch etwas unheimlichen Bildern.
– Was schenk ich meiner Gerda bloß zu Ostern,
Sie hätt so gern ein rosa Fahrradschloss?
Sie schenkt mir ihren Po auf rosa Postern,
Die sie beim Selfen in der Dusche schoss
Aus super Perspektive ganz in rosa,
Als es grad rosa aus der Dusche floss,
Und weil den Po kein Mensch bis heute so sah,
Wie sich darauf die rosa Flut ergoss,
Hat ihn die Gerda zum Geschenk erkoren,
Weil sie zu Ostern gern was Buntes schenkt.
Ich schenk ihr rosa Schützer für die Ohren,
Die sie als Muschelwärmer drüberhängt,
Denn Fahrradschlösser gibts nur lilagräulich
Nicht mal, wie‘s fast gepasst hätt, lilabläulich.
– klausKuckuck –