warten (zevenaar)
allein im dürren oktober
stehe ich wartend.
wartend worauf?
am milchigen himmel
flackern schwarze schwingen.
allein stehe ich am fenster
und warte auf antwort.
– Hans Herrmann –
Zuerst
ist da nur Dunkelheit.
Nicht die Dunkelheit der Nacht,
denn die Nacht ist bereits vergangen,
sondern jene andere,
die noch zwischen mir
und dem ersten Gedanken liegt.
Irgendwo
atmet das Haus.
Ein kaum hörbares Knacken
im Holz,
das ferne Geräusch eines Autos,
das schon unterwegs ist,
während ich noch nicht entschieden habe,
ob dieser neue Tag
wirklich mich meint.
Dann fällt Licht
durch den Spalt zwischen den Vorhängen.
Nur ein schmaler Streifen.
Und plötzlich
ist die Welt wieder da.
Nicht die Welt von gestern.
Noch nicht.
Für einen kurzen Augenblick
besitzt der Morgen
die seltene Gnade,
dass nichts geschehen ist.
Keine Worte,
die man bereut.
Keine Entscheidungen,
die getroffen werden müssen.
Keine Vergangenheit,
die ihren Anspruch erhebt.
Nur dieses Bett,
dieser Körper,
dieser Atem.
Zwischen Schlaf und Wachsein
glaube ich für einen Moment,
ich könnte noch einmal
jemand anderes werden.
Vielleicht der Mensch,
der ich einmal war.
Vielleicht der,
den ich nie geworden bin.
Dann stehe ich auf.
So unspektakulär
beginnt ein Leben.
Kein Engel erscheint,
keine Tür zum Himmel öffnet sich.
Nur zwei Füße,
die den Boden berühren.
Aber in dieser Bewegung
steckt etwas Ungeheuerliches:
Ich verlasse
die kleine Ewigkeit des Schlafes
und betrete wieder
die Zeit.
Das Licht liegt inzwischen
auf dem Fensterbrett.
Der Morgen wartet nicht auf mich.
Er war längst da.
Ich bin es,
der zu spät gekommen ist.
Und während ich
durch den stillen Raum gehe,
begreife ich,
dass jeder Morgen
vielleicht nichts anderes ist
als eine zweite Geburt,
von der wir nur deshalb
nichts wissen,
weil wir uns
nicht daran erinnern können.
Das Badezimmer
zeigt mir mein Gesicht
im Spiegel.
Es ist dasselbe Gesicht.
Und doch hat die Nacht
etwas hinzugefügt,
das kein Spiegel finden kann.
– Önder Özkan –
Du sollst sterben,
sagte er.
Doch ob die Wirklichkeit
dies so vollzog,
wusste er erst
hinterher.
Du sollst leben,
sagte er nie.
Er dachte wohl,
das stehe ihm nicht zu.
«Many that live deserve death. And some that die deserve life. Can you give it to them? Then do not be too eager to deal out death in judgement. For even the very wise cannot see all ends.»
– Rufus –
– FrankReich –
– Morphea –
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Da sitzt du,
wie von einem kranken Gott
dahin gerotzt.
Wie vom Ozean der Schöpfung
angespültes Strandgut.
Mit Gedanken,
die einfach mittendrin
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Die gemeinsamen Nenner
haben sich
gegen dich verschworen!
Wo einst
alle Quellen frei sprudelten,
stehen nun Absperrgitter
und überteuerte Getränkeautomaten.
Geh viral
oder geh zur Hölle.
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Märtyrer mit
eingebauten Münzschlitzen
bieten lizensierte Seelenmassagen.
Du kannst einfach sitzenbleiben,
deine Wahnvorstellungen
werden in Watte gepackt.
Hier verrechnet sich keiner,
hier wird Mathematik revolutioniert!
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Realitäten
werden feierlich
zu Grabe getragen,
während sie
vor den Trümmern zerbombter Brücken,
Obszönitäten ans andere Ufer rufen.
Wirf das Handtuch
in die dafür bereitgestellten Sammelbehälter.
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Du hast seit
sechs Wochen schon
nicht mehr geblinzelt,
aus Angst davor,
etwas zu verpassen.
Denn hier ist alles möglich,
schon hinter dem nächsten Ausrufezeichen
könnte der Tod lauern!
Dein Affenhirn springt
weiter aufgeregt kreischend
im endlosen Dauerlauf
um den ewig klingelnden Monolithen:
Internet essen Seele auf
Internet essen Seele auf
Internet essen Seele auf
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– klaatu –