Nass
– Der Grauhimmel pieselt,
es wabert und rieselt
vom Dach durch die Locken
ins Hemd und die Socken!
Das war nicht der Plan!
Ich bin im Momente
so nass wie 'ne Ente,
wo ist mein Umbrella?
Der liegt in der Bahn!
– Andrea M. Fruehauf –
– Die Lüge schminkt sich farbenreich
Ihr Lächeln schimmert seiden
Sie bettet dich behutsam weich
Die Wahrheit lässt dich leiden
Doch immer wieder lassen wir
Uns streichelzart umgarnen
Und Komplimente steh’n Spalier
Wer hört da noch das Warnen?
Selbst ein verzaubernd süßer Schwall
Mit Schwüren eingeläutet
Wird demaskiert zu Rauch und Schall
Wenn sich die Lüge häutet
Der Wahrheit einfaches Gewand
Zeigt schlichten Stil und Strenge
Bescheiden, doch dezent galant
Hebt es sich aus der Menge
Doch wer mag schon Bescheidenheit?
Wie lieben wir die Lüge!
Sie spielt mit unsrer Eitelkeit
Doch sie macht herbe Züge
– Volker Teodorczyk –
Der überraschend
hohe Sinngehalt
– Ein Hamster beschloss an einem Dienstag, eine Firma zu gründen.
Sein Geschäftsmodell bestand darin,
Sonnenblumenkerne von links nach rechts zu tragen
und anschließend eine Besprechung darüber abzuhalten.
Nach drei Minuten stellte er fest,
dass er der Geschäftsführer, die Buchhaltung,
die Personalabteilung und der Hausmeister war.
Daraufhin kündigte er sich selbst.
Die Personalabteilung war empört.
Die Buchhaltung schrieb eine Beschwerde.
Der Hausmeister ignorierte alles und aß einen Keks.
Währenddessen erschien eine Ente mit einer Aktentasche.
Niemand wusste, warum die Ente eine Aktentasche hatte.
Nicht einmal die Ente.
Trotzdem wirkte sie kompetent.
Der Hamster stellte sie sofort ein.
Die Ente hielt eine Präsentation
über die strategische Zukunft von Pfützen.
Alle klatschten.
Es gab niemanden außer dem Hamster.
Er klatschte so begeistert, dass er vom Stuhl fiel.
Der Stuhl nahm das persönlich.
Am Nachmittag übernahm ein Brokkoli die Leitung des Unternehmens.
Die Ente fand das nachvollziehbar.
Der Hamster war inzwischen damit beschäftigt,
einem Toaster das Fahrradfahren beizubringen.
Der Toaster zeigte Talent.
Das Fahrrad nicht.
Gegen Abend wurde beschlossen,
dass der Mond künftig nur noch mittwochs erscheinen sollte.
Der Mond reagierte nicht.
Er war vermutlich in einer anderen Besprechung.
Am Ende machte die Firma einen Gewinn von drei Murmeln,
einem Gummiband und einer äußerst selbstbewussten Kartoffel.
Bis heute weiß niemand, was eigentlich verkauft wurde.
Aber die Kartoffel hat inzwischen einen Parkplatz
mit eigenem Namensschild.
– anonym –
– Heute trägt die Welt
ihr Hemd verkehrt herum,
und ich finde es schön.
Der Himmel ist kein Himmel,
sondern eine offene Schublade
voller blauer Möglichkeiten.
Du lachst,
und irgendwo klappt ein alter Schmerz
seinen Campingstuhl zusammen.
Ich gehe neben dir
wie ein Mensch,
der gerade entdeckt hat,
dass unter seinen Rippen
ein Orchester wohnt.
Alles klingt.
Die Ampel springt auf Grün,
bevor wir sie bitten.
Der Hund sieht uns an,
als wüsste er mehr
über das Paradies
als alle Bücher.
Deine Hand in meiner
ist keine Hand,
sondern ein helles Zuhause
ohne Wände.
Ich will nichts besitzen,
nicht einmal diesen Augenblick.
Ich will nur
mit offenem Mund
in ihm stehen
wie in Sommerregen,
der nach Pfirsich schmeckt.
Liebe,
du übertreibst.
Mach weiter.
– Chandrika Wolkenstein –
freiheit
vorausgegangen
ich will deine hände über feuer
will
deine augen weiter
horizont
noch eins will ich
noch mit feuer über händen
enden
fänden wieder:
ich will
du willst
sehen wir
ins feuer
teilen
über ihnen
halten was
verbrennt
entgangen
feuer über hände deine will ich
will
weiter augen deine
vertikal
ich will eins noch
ein könig
am zaun fliegt
die versammlung
zum wald
– ubertas –